Beim Geschäftsessen geht es nicht ums Essen. Es geht um den Abschluss, um die Beziehung, um das Gespräch nach dem Hauptgang. Das Essen läuft nebenher — und genau deshalb wird es selten bewusst entschieden.
Warum das Restaurant die schwierigere Umgebung ist
Eine britische Arbeitsgruppe hat 13.396 Hauptgerichte aus 27 Restaurantketten ausgewertet. Im Mittel enthielt ein Hauptgericht 977 Kalorien. Nur neun Prozent lagen unter 600 Kalorien — dem Wert, den die britische Gesundheitsbehörde für eine Hauptmahlzeit ansetzt.
Der Teil, der die meisten überrascht: Die Bedienrestaurants schnitten schlechter ab als die Schnellrestaurants, im Schnitt um 268 Kalorien je Hauptgericht. Das gepflegte Lokal, in das man Geschäftspartner einlädt, ist also nicht die harmlosere Wahl. Es ist die unauffälligere.
Das liegt nicht daran, dass dort schlechter gekocht wird. Es liegt an Portionen, an Butter und Öl in der Pfanne, an der Sauce, die ein Gericht erst rund macht. Alles davon ist handwerklich richtig. Es steht nur nirgends auf der Karte.
Die Rechnung beginnt vor dem Hauptgang
Beim Geschäftsessen bleibt es selten beim Hauptgang. Dieselbe Arbeitsgruppe hat 1.009 Vorspeisen, Beilagen und Desserts untersucht. Eine Vorspeise lag im Mittel bei 488 Kalorien, eine Beilage bei knapp 400, ein Dessert bei 431.
Jede vierte Vorspeise überschritt für sich allein die 600 Kalorien, die für eine vollständige Mahlzeit vorgesehen sind. Bei Beilagen und Desserts war es jedes fünfte Gericht. Wer Vorspeise, Hauptgang und Dessert bestellt, isst an einem Abend also gut und gern das, was sonst über einen ganzen Tag verteilt wäre.
Dazu kommt, was niemand bestellt hat: das Brot mit Aufstrich, das beim Hinsetzen schon auf dem Tisch steht, und das Gedeck, das in manchen Häusern selbstverständlich dazugehört. Beides wird selten als Teil der Mahlzeit wahrgenommen. Gegessen wird es trotzdem, meist in den ersten zehn Minuten, in denen das Gespräch noch nicht richtig läuft.
Was du entscheidest, bevor du sitzt
Am Tisch entscheidest du unter Zeitdruck, mit halbem Kopf beim Gespräch und oft, nachdem die anderen schon bestellt haben. Das ist die schlechteste Lage für eine Entscheidung. Deshalb lohnt es sich, sie vorzuziehen.
- Schau dir die Karte vorher an. Die meisten Lokale stellen sie online. Zwei Minuten im Taxi reichen.
- Wähle zuerst den Hauptgang, dann entscheide, ob eine Vorspeise dazukommt — nicht umgekehrt.
- Beilagen sind fast immer tauschbar. Gemüse oder Salat statt Pommes steht selten auf der Karte, wird aber in praktisch jeder Küche gemacht.
- Wenn du das Lokal aussuchst, such eines aus, in dem du eine Wahl hast. Das ist der einzige Hebel, den du vollständig in der Hand hältst.
Auf der Karte steht dabei mehr, als man denkt. Die Zubereitungswörter verraten das meiste: Gegrilltes, Gedünstetes, Gekochtes und Geschmortes kommt in der Regel mit weniger Fett aus als Gebratenes, Frittiertes, Gratiniertes oder Paniertes. Und eine Sauce, die separat serviert wird, ist eine Sauce, über die du entscheidest statt die Küche.
Beim Mittagstermin ist das alles leichter als beim Abendessen. Mittags ist der Rahmen enger, es gibt seltener mehrere Gänge, und niemand wundert sich, wenn jemand nach einer Stunde wieder am Schreibtisch sitzt. Wenn du die Wahl hast, wohin ein Termin fällt, ist der Mittag oft die einfachere Variante — für den Kalender ohnehin.
Keiner dieser Punkte verlangt, dass du am Tisch über Ernährung sprichst. Das ist der Punkt: Was vorher entschieden ist, muss vor Gästen nicht verhandelt werden. Das gilt für Auswärtsessen genauso wie für alles andere, was neben einem vollen Terminkalender noch Platz finden soll.
Drei Situationen, die sich wiederholen
Der Gastgeber bestellt für alle. Das kommt seltener vor, als man befürchtet, und lässt sich früh auflösen — eine Vorliebe, beiläufig genannt, bevor die Karten eingesammelt werden. Niemand hält das für eine Diätansage.
Alle nehmen die Vorspeise. Hier hilft die Beobachtung, dass am Tisch selten jemand mitzählt, wer was bestellt. Der soziale Druck, den man spürt, ist fast immer größer als der, den es gibt.
Der Abend zieht sich. Nach zweieinhalb Stunden wird weiter bestellt, weil das Gespräch läuft, nicht weil jemand hungrig ist. Ein Espresso hält die Runde genauso zusammen wie ein zweites Dessert.
Die meisten Entscheidungen am Tisch sind gar keine Entscheidungen. Sie sind Voreinstellungen, die niemand angefasst hat.
Alkohol ist eine Entscheidung, keine Voreinstellung
Ein Glas Wein wird beim Geschäftsessen selten bestellt — es steht meistens einfach da. Dabei liefert Alkohol selbst Energie, und zwar unabhängig davon, was auf dem Teller liegt.
Du musst deshalb nicht zum Wasserglas greifen. Aber es macht einen Unterschied, ob das erste Glas eine Entscheidung war oder eine Gewohnheit. Und beim Geschäftsessen arbeitest du: Derjenige zu sein, der am Ende des Abends noch klar denkt, ist selten ein Nachteil.
Was du dir nicht vornehmen musst
Ein einzelnes Essen entscheidet nichts. Wer nach einem Geschäftsessen das Gefühl hat, etwas gutmachen zu müssen, und am nächsten Tag das Frühstück ausfallen lässt, macht aus einem Abend ein Problem, das er vorher nicht hatte.
Was zählt, ist die Häufigkeit. Wer zweimal im Monat auswärts isst, kann das getrost ignorieren. Wer es viermal in der Woche tut, für den ist es keine Ausnahme mehr, sondern die Normalform seiner Ernährung — und dann lohnt es sich, sie zu gestalten. Das ist dieselbe Logik, nach der auch Training und Ernährung in einen vollen Kalender passen müssen, statt ihn zu sprengen.
Der Rest ist Handwerk: die Karte kennen, den Hauptgang zuerst wählen, das Lokal aussuchen, wenn du es aussuchen darfst. Nichts davon fällt jemandem am Tisch auf. Und genau so soll es sein — ein Geschäftsessen ist ein Termin, kein Trainingslager.
Quellen
- Robinson E, Jones A, Whitelock V, Mead BR, Haynes A (2018): (Over)eating out at major UK restaurant chains: observational study of energy content of main meals. BMJ 363:k4982. doi:10.1136/bmj.k4982 Zur Studie
- Muc M, Jones A, Roberts C, Sheen F, Haynes A, Robinson E (2019): A bit or a lot on the side? Observational study of the energy content of starters, sides and desserts in major UK restaurant chains. BMJ Open 9(10):e029679. doi:10.1136/bmjopen-2019-029679 Zur Studie